Haupt- und Realschule Ostrhauderfehn
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Zeitzeugen im Unterricht
Zeitzeugen im Unterricht - 60 Jahre Bundesrepublik

Bericht über den Besuch der Zeitzeugin Elske Dreier

 

Im Rahmen der Projekttage zum Thema „1950 – 2010: 60 Jahre Leben in Deutschland – Made in Germany“ war die Pastorin Elske Dreier aus Pogum zu Gast an der Haupt- und Realschule Ostrhauderfehn. Die Schülerinnen und Schüler aus der Arbeitsgruppe „Deutsche Teilung 1949-1989 / Zeitzeugen hatten sich unter der Leitung ihrer Lehrer Hartmut Horst und Karl-Heinz Kempen zwei Tage auf die Begegnung mit der Zeitzeugin vorbereitet.

 

Aus Zeitgründen beschränkte Elske Dreier ihren packenden Vortrag auf die Zeit von 1975 bis 1977. Somit standen ihre Verhaftung von der Schulbank weg, mitten in einer Abiturarbeit, und die anschließende Haftzeit im Untersuchungsgefängnis Halle (im Volksmund „Roter Ochse“ genannt) ebenso im Mittelpunkt ihrer Erzählung wie die Verurteilung und die Haftzeit im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck.

 

„Ich war auf einen Schlag erwachsen“, erinnerte sich Frau Dreier. In der Untersuchungshaft wurde sie streng isoliert. Die zwölf Wochen Einzelhaft waren für sie nur dadurch zu ertragen, dass sie alles aufsagte, was sie auswendig wusste: Lieder, Bibeltexte, Gedichte und mehr.

„Nach einer Weile unterschreibst du alles, weil du gar gekocht bist.“

 

Zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt, ohne je einen Anwalt gesehen zu haben, musste sie sich nicht nur mit zwangsweiser Arbeit wie Feinstrumpfhosennähen, häufigem Arrest sowie schlechtem Essen abfinden, sondern sich auch vor sexuellen Übergriffen durch 15 Mitgefangene schützen.

 

Als ihr Vater am 4. September 1975 starb, wurden Elske Dreier und ihre gleichfalls inhaftierte Mutter freigelassen. Die Leiche des Vaters wurde sofort eingeäschert, wohl um Spuren von Misshandlungen zu vertuschen.

 

Unmittelbar nach ihrer Rückkehr nach Hause stellte die Familie den ersten Ausreiseantrag. Doch erst zwei Jahre später erhielt Elske Dreier „die wertvollste Urkunde, die ich je erhalten habe“, die Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR.

 

In Bunde begann für Elske Dreier und ihre Angehörigen ein neues Leben.

 

Im Anschluss an ihren Vortrag beantwortete die Zeitzeugin bereitwillig Fragen aus dem vorher gebannt lauschenden Kreis der Schülerinnen und Schüler. Unter großem Beifall aller Teilnehmer bedankten sich die beiden Lehrer bei Frau Dreier und überreichten ihr im Namen aller einen Blumenstrauß.

 


Text und Foto: Karl-Heinz Kempen

 

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