Haupt- und Realschule Ostrhauderfehn
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Projekt  „Ringen und Raufen“

für die 5. Klassen der HRS Ostrhauderfehn

Auf  Initiative der Beratungslehrerin, Frau U. Ziethen-Kretzmer, wurde am Freitag, 5. September, ein gemeinsames Projekt aller 5. Klassen der HRS Ostrhauderfehn durchgeführt. Ziel dieser Aktion war es, alle SchülerInnen der Haupt- und Realschulklassen gleichermaßen an diesem Projekt zu beteiligen.

Ein Kernstück dieser Integrationsmaßnahme bildete das Projekt „Ringen und Raufen“ der Peer-Leader Gruppe an unserer Schule. Über 70 teilnehmende SchülerInnen absolvierten unter Aufsicht der Peer-Leader einen Parcour mit acht verschiedenen Stationen. Ein weiteres Kernstück dieses Projektes bildete die „Schlafnacht in der Sporthalle“, für manche der anstrengendste Teil dieses Unterfangens.

Das Team der Peer-Leader.

Hier ein kurzer Einblick in den pädagogischen Hintergrund des Projektes sowie eine Beschreibung der durchgeführten Übungen.

Kämpfen, Ringen und Raufen

Das Kämpfen soll

der Aggressionsbewältigung und somit der Gewaltprävention dienen

-         Kinder „stark“  und selbstbewusst machen

-         Kindern helfen, motorisch geschickter und kräftiger zu werden

-         ebenso ihnen helfen, Strategien zur Durchsetzung übernommener Auf-

      gaben zu entwickeln

-         ihnen ermöglichen, Körperkontakt aufzunehmen und zu akzeptieren

-         ihnen Spaß an Bewegung und Kraftaufwand vermitteln

Grundlagen eines Projektes „Kämpfen, Ringen und Raufen

-         Schaffen einer angemessenen „Kampfatmosphäre“ -  einer Atmosphäre, in der sich jeder zutrauen kann, etwas zu wagen und aufs Spiel zu setze, ohne Gefahr zu laufen, bloß gestellt zu werden

-         Moderation der Spiele und Aufgaben durch einen Spielführer - z.B. auch Hinweis auf eine mögliche Gefahr, dass ein Spiel zum Ernst umkippt

-         Finden, Festlegen und Einhalten von Regeln  -  gemeinsam ein dem Kampf angemessenes und verbindliches Regelwerk finden und festlegen; drei grundsätzliche Regeln:       

Ein Kampf beginnt erst dann, wenn beide Kämpfer signalisiert haben, dass sie kampfbereit sind.

Ich darf meinem Partner niemals wehtun, verboten sind Tätlichkeiten wie Treten, Boxen, Kneifen, Kratzen, Beißen, Schwitzkasten.

Wenn der Partner „Stopp“ ruft oder mit der Hand zweimal auf die Matte schlägt, wird der Kampf „sofort“ (!) beendet.

Den Kampf in „Szene“ setzen

- Die Voraussetzungen müssen ausgewogen sein: grundlegende technische        und motorische Voraussetzungen schaffen (Fallen können, Schieben, Ziehen, Tragen); evtl. Handicaps einführen bei starken Kraft- oder Gewichtsunterschieden der Kampfpartner

 

- Einsicht in Regeln und Rituale bieten: den Mitspieler als Partner (und    

  nicht als Gegner) erfahren

     - mit dem Partner vertraut werden und ihn anfassen können 

- über Ergebnisse sprechen

Phasenmodell

Einstimmung:    Kennlern- und Körperkontaktspiele

Anspannung:      Partnerkämpfe

                         Gruppenkämpfe

Das Kennlernen des Partners geschieht im Kämpfen „hautnah“, es ist

daher dringend notwendig, diese Spielsituation mittels Kennlern- und Kontaktspiele vorzubereiten. Eingeleitet werden solche Spiele mit einem gemeinsamen Gespräch über individuelle Grenzen des Körperkontaktes und dem Festlegen von Tabu-Zonen.

Den Einstieg in das Kämpfen sollen zunächst Partnerkämpfe gestalten. Diese Kämpfe sind für die Kämpfenden gut überschaubar; es ist empfehlenswert, dass sich Kämpfer zu Paaren zusammenfinden, die einander gut kennen und wegen des gegenseitigen Vertrauens auch kein Problem mit engerem Körperkontakt haben.

Um eine Verletzungsgefahr zu vermeiden, finden die Kämpfe barfuss oder in Socken statt; auch werden Uhren, Armreife und Halsketten abgelegt.

1. Gruppenbildung:

aus den ca. 75 Teilnehmenden werden 4 Gruppen gebildet und mit Namen

bedacht (z.B. Falken, Tiger, Delphine u. Pinguine). Es werden entsprechend viele Karten beschriftet oder mit Symbolen versehen und nacheinander an alle Kinder verteilt; diese müssen dann durch Erfragen ihre Gruppe finden (falls nötig Hilfen geben).

Die Spiele:

2. Mattenfallen

Jede Gruppe (z.B. die Gruppe der Falken) erhält eine Weichbodenmatte (WBM) und teilt sich in 4 Untergruppen auf. Je 2 dieser Untergruppen stellen sich jeweils an den Grundlinien des Volleyballfeldes auf (blaue Linie).

Die erste Gruppe erhält die WBM, stellt sie auf und sich ganz dicht an diese heran und lässt sich dann gemeinsam mit der WBM nach vorn fallen; dann stellt sie die Matte wieder auf, sich dicht ran und lässt sich fallen ... usw., bis die andere Grundlinie erreicht ist. Dort wird die WBM der wartenden Gruppe übergeben; diese praktiziert den Rückweg ebenso wie die 1. Gruppe usw. bis alle 4 Gruppen die Strecke vorwärts „gefallen“ sind.

Dann wird die gleiche Aktion mit „Rückwärtsfallen“ durchgeführt, d.h. die Schüler stellen sich mit dem Rücken dicht an die aufgestellte WBM und lassen sich gemeinsam mit der Matte fallen.

3. Flussüberquerung:  2 Langbänke, die Gruppe wird in zwei gleichgroße

Gruppen geteilt. Die beiden Langbänke werden mit den Schmalseiten aneinandergestellt.  Jede Gruppe stellt sich gleichmäßig verteilt hinter ein Ende der Bank auf. Auf ein Startzeichen versuchen nun beide Gruppen, auf die andere Seite der Bank zu gelangen, und zwar so, dass der/die Letzte der Reihe mit der Überquerung beginnt, um am Ende der/die erste der neuen Reihe zu sein.

4. Raufen mit der Stimme:

Aufbau/Organisation: es werden aus der Gruppe zwei Teams gebildet, die sich in Reihe einander gegenüberstehen.

In diesem Spiel wird ohne Körperkontakt, aber mit Stimmeinsatz und Körperhaltung gearbeitet, um Stärke bzw. Schwäche zu zeigen.

Aufgabe: die erste Gruppe spricht laut und rhythmisch: “Wir sind lauter“, während die zweite Gruppe danach leise und rhythmisch spricht: „Wir sind leiser“.

Im der nächsten Steigerung gehen die Gruppen jeweils drei Schritte vor (die Lauten) bzw. drei Schritte zurück (die Leisen) und sprechen den gleichen Satz wie vordem und untermalen das rhythmische Sprechen mit Körpergebärden bzw. Körperhaltungen (laut: bedrohlich und groß, leise: ängstlich und klein).

Nach einer Wiederholung der Übung erfolgt ein Rollentausch.

5. Kissenfechten

Organisation: Es werden je Gruppe zwei Langbänke umgedreht in der Halle aufgebaut, u.U. sollen sie mit Bodenmatten gesichert werden. Es werden Spielpaare gebildet, die je Spielpartner an den Enden der Lbk. gegenüber.

Aufstellung nehmen, die übrigen TN bilden dahinter je eine Reihe.

Jeweils 2Schülerinnen/Schüler besteigen eine Langbank, balancieren aufeinander zu und müssen sich den Weg zum anderen Ende frei fechten. Zum Fechten halten sie jeweils ein Kissen in der Hand.

6.  Ballklau paarweise

Organisation: es werden Paare gebildet, die jeweils eine Turnmatte als Kampfplatz nehmen; auf der Turnmatte wird ein Medizin- oder Basketball gelegt.

Ein Schüler deckt mit seinem Körper den auf dem Boden liegenden Ball ab und hütet ihn vor dem Raub des Partners. Dieser versucht anderseits, den Ball zu erobern und ihn unter seinen Bauch zu begraben und der andere versucht, ihn zurück zu erobern.

7.  Gruppenausbruch

Organisation: es werden zwei gleichgroße Gruppen gebildet

Eine Gruppe bildet einen festen Außenkreis mit Blickrichtung zur Kreismitte. Die Festigkeit des Kreises wird durch Einhaken der Arme bzw. doppeltes Festhalten an den Armen bewirkt. Die zweite Gruppe steht innerhalb des Kreises.

Nach einem Startsignal versuchen die im Kreis stehenden Schülerinnen/Schüleraus dem Kreis auszubrechen. Die Gruppe, die den Außenkreis bildet, muss versuchen, ihre Lücken fest zu schließen, um den Ausbruch zu verhindern.

8.  Ballgewühl

Organisation: aus Matten wird eine Spielfläche ausgelegt, an deren Enden jeweils ein Reifen mit einem Basket- oder Volleyball abgelegt wird. Es werden zwei Teams gebildet.

Jedes Team versucht, den eigenen Ball zum gegnerischen Ring zu transportieren und dort abzulegen. Gleichzeitig soll der „Transport“ des gegnerischen Balles verhindert werden. Die Fortbewegung findet nur auf den Knien und auf allen Vieren statt. Erlaubt ist es, den gegnerischen Ball zu blockieren (aber nicht abnehmen!), gegnerische Spieler aus dem Spielfeld zu drängen bzw. durch Festhalten am Mitspielen zu hindern. Das Spiel ist beendet, wenn eine Gruppe als erste ihren Ball im gegnerischen Kreis abgelegt bzw. nach einer bestimmten Spielzeit die meisten Ballablagen hat.

9.  Avanti ballone

Organisation: 2 Teams werden gebildet,  jeweils 2 TN eines Teams erhalten einen Luftballon

Durchführung: die Mitglieder des Team A müssen versuchen, ihren Luftballon ständig in der Luft zu halten, die TN des Team B versuchen, sie dabei zu hindern, so dass der Luftballon auf den Boden fällt. Das Behindern darf nur im

Festhalten des Körpers und allenfalls der Arme geschehen, es darf keinesfalls jemand geboxt oder zu Boden gerissen werden.

Diejenigen, deren Luftballon bereit zu Bodengefallen ist, können selbst- verständlich die anderen „Ballonverteidiger“ unterstützen; das gleiche gilt natürlich auch für die „Ballonangreifer“. 

Wechsel der Aufgabe nach 10 Minuten. Gezählt werden die „Bodenkontakte“ der Luftballons; gewonnen hat das Team mit weniger „Kontakten“.

Ein von den Eltern organisierter Grillabend und Sportspiele mit Tauziehen rundeten den sportlichen Teil dieses Projektes ab. Eine gemeinsam verbrachte Nacht in der Herberge „Sporthalle“ beendete für alle einen aufregenden Schultag und eine schlafarme Nacht, auch für die betreuenden KlassenlehrerInnen U. Ziethen-Kretzmer, R. Haan und H. Horst und zusätzlichen Betreuer J. Lechner.


Fotos: Hartmut Horst, Text: Jürgen Lechner

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